In Wirtschaftsphasen, in denen die Zinsen niedrig sind und es für Anleger immer schwieriger wird, passable Renditen zu erzielen, suchen immer mehr Investoren nach neuen Alternativen, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Eine dieser Möglichkeiten ist die Investition in innovative Start-ups. Diese jungen Unternehmen haben aufgrund mangelnder Sicherheiten meist Schwierigkeiten, sich ausreichend über Bankkredite zu finanzieren und sind daher in vielen Fällen auf Venture Capital angewiesen. Doch was ist Venture Capital, welche Bedeutung hat es für Start-ups und wie kommt man überhaupt zu dieser finanziellen Starthilfe?

Was ist Venture Capital?

Venture Capital ist eine Form der Unternehmensfinanzierung, die im deutschsprachigen Raum auch unter dem Namen Wagniskapital bekannt ist. Bei dieser Form der Finanzierung beteiligen sich Investoren meist über einen Venture-Capital-Fonds an jungen Unternehmen, womit sie zum Miteigentümer werden. Zudem stellen die Anleger dem Unternehmen oftmals auch ihre Branchenexpertise zur Verfügung und treten als Vermittler auf, wenn es um die Anbahnung neuer Kontakte und den Aufbau von Netzwerken geht. Diese Hilfe ist für junge Unternehmer und Entrepreneure von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Ziel der Geldgeber ist es, das investierte Vermögen durch eine Wiederveräußerung der Beteiligung zurückzuerhalten und durch den Verkauf Gewinne zu erzielen. Die Mindestbeteiligung liegt beim Venture Capital in der Regel zwischen 50.000 bis 250.000 Euro, wobei auch wesentlich höhere Summen möglich sind.

Wie sieht eine Venture-Capital-Beteiligung im Detail aus?

Die Kapitalbeteiligung wird vertraglich geregelt, wobei Investoren in der Regel 20 bis 30 Prozent der Unternehmensanteile halten. Die Gründer des Start-ups bleiben so zumeist Mehrheitseigentümer, müssen jedoch in Kauf nehmen, dass ihre Kapitalgeber ein Mitspracherecht haben. Je nach Vertragsgestaltung können die Einflussrechte sogar so weit gehen, dass keine Entscheidung mehr ohne die Geldgeber getroffen werden kann. Zudem ist es von Bedeutung, dass die Einlagen zeitlich begrenzt sind. Die Kapitalgeber haben das Recht, ihre Anteile an andere Geldgeber zu veräußern, wodurch neue Gesellschafter in das Unternehmen kommen können, die nicht mit der Geschäftsleitung harmonieren.

Die Bedeutung von Venture Capital für Start-ups

Dank Venture Capital schaffen es immer mehr innovative und technologieorientierte Unternehmen, sich am Markt zu etablieren. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Bankkrediten unterstützen die Risikokapitalgeber junge Unternehmen nicht nur finanziell, sondern bringen sich zumeist auch aktiv in das Unternehmen ein. Start-ups profitieren somit sowohl von einer monetären Starthilfe als auch von dem Know-how und dem Netzwerk ihrer Investoren. Die Kapitalgeber tragen dabei jedoch ein sehr hohes Risiko. Wenn das junge Unternehmen Konkurs anmelden muss, verlieren die Geldgeber ihre gesamte Investition. Venture Capital als Anlageform eignet sich daher nur für Investoren, die nicht notwendigerweise auf die veranlagte Summe angewiesen sind.

Wie kommt man an Venture Capital?

Die Suche nach den richtigen Geldgebern ist keine leichte Aufgabe. Die Investoren müssen zum Unternehmen passen und auch die vertraglichen Rahmenbedingungen sollten für alle Parteien fair sein. Um die Suche für beide Seiten zu vereinfachen, kann auf Venture-Capital-Gesellschaften zurückgegriffen werden. Diese betreuen in der Regel unterschiedliche Venture-Capital-Fonds, welche sich zumeist auf bestimmte Branchen und Nischen fokussieren. Durch eine Investition in einen Venture-Capital-Fonds kann der Investor sein Risiko streuen und auch Start-ups profitieren von diesen Gesellschaften. So können Gründer gezielt nach Gesellschaften Ausschau halten, die Fonds anbieten, die zu ihrem Firmenprofil passen.

Welche Bedeutung hat der Businessplan bei der Vergabe von Venture Capital?

Um einen Investor von einer Idee zu überzeugen, benötigt man eine professionelle und schlüssige Präsentation. Der erste Eindruck des Teams ist ausschlaggebend, da Risikokapitalgeber überwiegend in Humankapital investieren. Neben einer überzeugenden Präsentation ist jedoch auch der Businessplan von größter Bedeutung. Dieser muss professionell erstellt werden und die Ziele und Strategien des Unternehmens kurz und prägnant vorstellen. Besonderes Augenmerk wird hierbei meist dem Finanzplan und der Executive Summary zuteil. Die Zahlen und Fakten müssen daher sinnvoll erscheinen, ohne den Leser dabei mit zu vielen technischen oder fachspezifischen Details zu überfordern. Die Risikokapitalgeber müssen das Potenzial des Unternehmens auf den ersten Blick erkennen und Vertrauen in das Team haben, dass es die Ziele auch umsetzen kann.

In welchen Phasen wird investiert?

Im Allgemeinen unterscheidet man vier unterschiedliche Investitionsphasen. Die erste Phase ist die sogenannte Seed Phase, in der Investoren dem jungen Unternehmen dabei helfen, die ersten Prototypen zu entwickeln und das Konzept zur Marktreife zu bringen. Diese Phase birgt für die Geldgeber das höchste Risiko, ist aber für Start-ups von größter Bedeutung. Gelingt es dem Unternehmen in dieser Phase nicht, die Idee umzusetzen, so ist das Vorhaben gescheitert und das investierte Kapital verloren.
Nach der initialen Produktentwicklung beginnt die Gründungsphase (Early Stage), in welcher das Produkt fertiggestellt und getestet werden muss. Da das Risiko für Investoren wesentlich geringer ist als in der ersten Phase, fällt es Start-ups meist auch leichter, Geldgeber für diese Phase zu gewinnen. Die vorletzte Phase ist die Expansions- und Wachstumsphase. Hierbei wird weiteres Kapital benötigt, um das Produkt oder die Dienstleistung am Markt zu etablieren und um die Marktposition zu festigen. Nachdem sich das Unternehmen am Markt positionieren konnte, kommt es schlussendlich zum sogenannten Exit. In dieser Phase, die zwei bis sieben Jahre nach der Gründung erfolgt, verkaufen die Investoren ihre Unternehmensanteile an die Mehrheitseigentümer, andere Investoren oder profitieren im besten Fall von den Gewinnen eines möglichen Börsengangs des Unternehmens.

Wann ist der Einsatz von Venture Capital sinnvoll und wann nicht?

Geldgeber investieren besonders gerne in vielversprechende und technologiegetriebene Unternehmen, die mit einzigartigen Geschäftsideen auf wachsenden Märkten Fuß fassen möchten. Eine zentrale Bedeutung hat zudem auch das Gründungsteam selbst, da es die Investoren überzeugen muss. Dabei eignet sich Venture Capital jedoch nicht für jedes junge Unternehmen in der Gründungs- und Wachstumsphase. Viele Geldgeber sichern sich vertraglich umfangreiche Mitspracherechte, sodass Entscheidungen nicht mehr ungezwungen von den Gründern getroffen werden können. In weiterer Folge kann es auch schwierig werden, das Unternehmen zu lenken oder gar zu verkaufen, da der Fokus der Investoren immer auf hohen Wertzuwächsen liegt.

Fazit

War Venture Capital Anfang der Jahrtausendwende beinahe ausschließlich im Silicon Valley verfügbar, so gewinnt dieses Wagniskapital auch zunehmend im europäischen Raum an Bedeutung und beeinflusst ganze Volkswirtschaften. Dabei liegt die Bedeutung von Venture Capital auch darin, dass durch die Schaffung neuer Wirtschaftsbereiche auch neue Arbeitsplätze entstehen, was sich wiederum positiv auf die Wirtschaft des jeweiligen Landes auswirkt. Für Start-ups kann Venture Capital dabei eine wichtige Starthilfe sein, um das Unternehmen auf dem Markt zu etablieren. Die Unternehmensgründer müssen sich jedoch auch bei der Entscheidung für dieses System darüber im Klaren sein, dass die neuen Gesellschafter ein Mitspracherecht haben und sie ihre Entschlüsse womöglich nicht mehr frei treffen können.