„Wer nicht weiß, wo er hinwill, darf sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt.“ Mark Twain

Der französische Schriftsteller Jules Verne hatte bereits 1865 ziemlich konkrete Vorstellungen von der Tatsache, wie eine Reise zum Mond aussehen könnte. Ca. hundert Jahre später war seine Vision Realität geworden. Im positiven Sinne ist eine Vision eine geistige Vorstellung (lat. videre: sehen, wahrnehmen, erkennen), meist von einem einzelnen, die nur in der Wirklichkeit, d.h. für alle sichtbar gemacht werden will. Für die Umsetzung sind dann meist viele Menschen notwendig, bei denen sozusagen der Funke übergesprungen ist.

Jeder Mensch braucht eine Vision. Das war schon die Meinung der alten Indianer, die ihre jungen Leute auf der Schwelle zum Erwachsenwerden auf Visionssuche schickten. Sie wurden für mindestens vier Tage in die Wildnis geschickt, ohne Verpflegung, ohne ein Dach über dem Kopf bis ihnen eine Idee, eine Ahnung kam, wohin die Reise des Lebens gehen soll. Sie sollten herausfinden, was ihre eigentliche Berufung ist, was sie begeistert, was sie voranbringt, sie antreibt, das Potential, das in ihnen schlummert, zu entwickeln. Im besonderen Maße gilt das für Unternehmen, insbesondere in schwierigen Zeiten des Umbruchs, dass sie auf Visionssuche gehen sollten um herauszufinden, was der Leitstern ist, der ihnen als Orientierung dienen kann. Zu diesem Zweck muß man nicht in den Wald gehen, aber es gibt viele Möglichkeiten um einen Raum zu schaffen, der einen für neue Ideen offen und empfänglich macht. Denn Visionen sind im Grunde so etwas wie Sendboten aus der Zukunft – sie holen uns ab, sind Wegweiser auf unserer Reise. Sie sind gewissermaßen ein Leuchtfeuer, ein Leuchtturm, der uns die Richtung anzeigen kann. Visionen sind notwendig, um Großes zu schaffen, – dies erfordert ein Denken in großen Zeiträumen, die weit in die Zukunft reichen.

Wenn wir uns in der Geschichte umsehen, gibt es zahlreiche Menschen, die ihre Visionen realisiert haben, allein oder zusammen mit anderen und die uns ermutigen können, an unsere eigenen Ideen zu glauben, auch wenn sie uns zunächst als klein und unbedeutend  erscheinen mögen. Galileo Galilei, Albert Einstein, John F. Kennedy, Steve Jobs, Elon Musk und viele, viele andere sind ihrem Leitstern gefolgt, haben dafür gesorgt, dass Entwicklung stattfindet, in welchem Bereich auch immer, und Zukunft entsteht.

Wie kann man seine Visionen im Unternehmen realisieren?

Wenn man eine Vision hat, stellt sich als erstes die Frage, wie man diese in sein Unternehmen integrieren und seine Mitarbeiter begeistern kann. Der wichtigste Punkt ist in diesem Zusammenhang, seine Vision durch sein eigenes Vorbild erlebbar zu machen.

Man muß seine eigene Vorbildfunktion wahrnehmen und damit den Kern seiner Vision verdeutlichen. Das kann natürlich auf vielfältige Weise geschehen. Eine Möglichkeit ist es zum Beispiel, eine Liste zu erstellen, auf der all die Punkte stehen, mit denen man täglich seine Vision durch Beispiele demonstrieren kann, sodass sie für alle sichtbar wird. Man steuert auf diese Weise sein Verhalten ganz bewusst und läßt andere daran teilnehmen! Ein nächster Schritt ist dann das sog. Story-Telling. Denn die Weitergabe von Wissen hat zu allen Zeiten durch Story-Telling funktioniert und Story-Telling bewirkt bei den Menschen, die die Geschichten hören oder lesen, auf direktem Wege eine Verhaltensänderung (z.B. Alexander der Große, Martin Luther King, Gandhi, Steve Jobs, Richard Branson). Denn all diese begnadeten Story-Teller sind in der Lage, Menschen zu begeistern und mitzureißen, eine Fähigkeit, die einem Buchhalter z.B. wohl kaum gegeben ist.

Wenn diese beiden Schritte vollzogen sind, geht es im letzten Schritt darum, wie man seine Vision anknüpfungsfähig macht. Nach Anthony Robbins gibt es sechs Grundmotive, die man haben kann und die es einem möglich machen können an eine Vision anzuknüpfen: Sicherheit, Abwechslung, Bedeutsamkeit, Bindung, Wachstum, Beitrag. Denn es ist ein absoluter Irrtum, wenn man glaubt, dass jeder das gleiche Motiv wie man selber hat um einer Vision zu folgen. Wenn es einem gelingt, den Menschen zu jedem dieser Begriffe mittels einer Geschichte, in der sie sich selber wiedererkennen, seine Vision zu vermitteln, kann man sie auf diesem Weg anknüpfungsfähig machen und das ist eine  entscheidende Voraussetzung für das Gelingen.

Welche Widerstände gibt es?

Wer seine Visionen realisieren will, wird in seiner Umwelt zunächst kaum auf Begeisterung und uneingeschränktes Wohlwollen stoßen. Im Gegenteil: er wird zahlreiche Widerstände überwinden müssen und in der Regel verläuft dieser Prozess sowohl im Kleinen als auch im Großen in vier Stufen.

Phase 1: Sie und Ihre Idee werden weder wahr- noch für vollgenommen. Niemand hört Ihnen richtig zu. Man lässt den „Spinner“ abblitzen und ignoriert ihn. Ignoranz und fehlende Unterstützung sollten Sie jedoch nicht entmutigen, sondern eher anspornen.

Phase 2: Sollte Ihre Umwelt wahrnehmen, dass Sie es ernst meinen und an Ihrem Projekt drangeblieben sind, kommt jetzt meistens die Phase des Spottes und des Gelächters, Dies darf Sie nicht irritieren: denn oft kommen diese Reaktionen von Menschen, die sich selbst klein und unbedeutend fühlen. Deshalb will man diejenigen, die große Pläne haben, zu sich herunterziehen um sich nicht so einsam zu fühlen. Der Visionär soll auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Die eigenen Minderwertigkeitsgefühle und fehlenden Perspektiven stehen im Vordergrund: das hat mit dem Visionär und seinen Ideen wenig zu tun.

Phase 3: Bei der Umsetzung ihrer Visionen ist Phase 3 vermutlich der größte Prüfstein: da  Sie bis hierher Ihrer Vision treu geblieben sind und sich nicht beirren ließen, werden Sie nun kritisiert, eines Besseren belehrt und abgelehnt. Im schlimmsten Fall wird Ihr Vorhaben aktiv bekämpft. Das bedeutet aber auch, dass  Sie Ihrem Ziel schon ziemlich nahe sind, aber emotional ist es die schwierigste Phase. Auf jeden Fall werden Sie jetzt ernst genommen und im Grunde ist der Widerstand nur eine Bestätigung Ihres Weges und wenn Sie jetzt durchhalten, sind Sie am Ziel.

Phase 4: Der Visionsprozeß hat eine eigene Dynamik entwickelt und aus Ihren schärfsten Kritikern sind nun oft Bewunderer geworden, da Sie den Mut hatten, ihren Traum zu leben, denn „eine Vision wird dann zu Realität, wenn ich den Mut habe, Grenzen zu überschreiten. (Lena Meichsner *1970)