Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde, das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause.

Demokrit ca. 460 – ca. 370 v. Chr.

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben sich die Menschen schon immer die Frage gestellt, was das Glück sei und wie man es erreichen kann. Zunächst waren es die Philosophen, die eine Antwort auf diese Frage suchten, in späterer Zeit dann die Psychologen, die Soziologen und heute die Gehirnforscher, die Neurobiologen, die mit den modernen Methoden der Medizin und der Technik das Geheimnis ergründen wollen.

In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 ist das Streben nach Glück als Grundrecht festgehalten: „Folgende Wahrheit halten wir für selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.“

Für jeden Menschen bedeutet Glück etwas anderes. Glücklichsein ist hauptsächlich geprägt durch unsere Denkweise und unsere Wahrnehmung. Für den einen sind es die kleinen Freuden des Alltags, den anderen einfach ein freier Mensch zu sein oder jemand hat Freude an seinem Haustier – die Möglichkeiten sind so zahlreich wie es Menschen gibt. Konsum hingegen macht nicht unbedingt glücklich; er lenkt nur vom Wesentlichen ab, ebenso erzeugt die Tatsache sich ständig mit anderen zu vergleichen nur Neid und Eifersucht und verstellt den Blick auf die eigenen Stärken. Wenn man es immer allen recht machen will, sucht man die Bestätigung stets durch die anderen – langfristig wird sich das Glück dort auch nicht einfinden.

Zur Zeit erlebt die Vokabel „hygge“ einen echten Hype: hygge kommt aus dem Dänischen und bedeutet so viel wie gemütlich, geborgen. Und schaut man auf die skandinavischen Länder, kann man feststellen, dass die Menschen dort in der Lage sind, ganz im Augenblick zu leben, ihn zu genießen, Genuss in all seinen Facetten zu empfinden – sich mit Freunden gemeinsam wohlzufühlen, einfach glücklich zu sein, gehört zu den Prioritäten. Ähnliche Glücksgefühle erreicht man durch Ausdauersport oder meditative Entspannungstechniken.

Glück ist nicht abhängig von unseren Lebensbedingungen, auch nicht von Faktoren wie Wohlstand, Macht, Status, Alter oder Intelligenz.

In neuerer Zeit gibt es eine Strömung in der Psychologie, die sich Positive Psychologie nennt. Sie beschäftigt sich mit den Bereichen der positiven Emotionen, dem positiven Charakter und positiven Strukturen. Die Themen Glück, Vertrauen, individuelle Stärken, Vergebung und Solidarität stehen im Mittelpunkt. Sie besteht im wesentlichen aus drei Säulen:

  • der Stärkenorientierung, d.h. ich kenne meine Stärken und setze sie optimal ein
  • Flow: die Fähigkeit in einer Tätigkeit vollkommen aufzugehen und sich selbst zu vergessen
  • Sinn: die Aufgaben sind den Fähigkeiten angepasst; wenn ein Unternehmen z.B. seine Ziele und Visionen mit den Wünschen und Motiven der Mitarbeiter abstimmt, ergibt das ein Höchstmaß an Sinn

Glücklich werden – das läßt sich lernen

Seit 2007 gibt es das Schulfach Glück. Der Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert startete seinerzeit das Projekt an seiner Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg und begründete zusammen mit einem Kompetenzteam das „Schulfach Glück“, dessen Aufgabe es ist, Lebensfreude, Lebenskompetenz und Persönlichkeitsförderung zu fördern und zu realisieren. Mittlerweile ist dieses Fach auch an vielen anderen Schulen in Deutschland und Österreich eingeführt worden.! Seit 2010 wird das Schulfach Glück in über 100 Schulen in nahezu allen Schularten und Altersstufen unterrichtet. www.fritz-schubert-institut.de

Alex Bertrams, Juniorprofessor für Pädagogische Psychologie an der Universität Mannheim hat den Einfluss des Schulfachs Glück auf das subjektive Wohlbefinden von Schülern untersucht und ist zu einem positiven Ergebnis gekommen.

Glücklich werden – Wie entsteht Glück im Gehirn?

Um dem Glück auf die Spur zu kommen experimentierten Wissenschaftler mit euphorischen Ratten, untersuchten Gehirne von Liebespaaren im Hirnscanner und Probanden während eines Computerspiels um herauszufinden, welche Gehirnareale beteiligt sind und welche biochemischen Prozesse ablaufen. Sie fanden heraus, dass es im Gehirn einen Glücksmechanismus gibt, der bereits dann anspringt, wenn wir uns auf das Glück zubewegen, d.h. Vorfreude empfinden. Ihr Ziel war, den Entstehungsort von Glück zu definieren und eine Antwort auf die Frage zu finden, was wir tun können um ein glücklicheres Leben zu führen.

Im Gehirn gibt es mindestens sieben Areale, die an der Glücksproduktion beteiligt sind. Im Zentrum steht das VTA (ventrale tegmentale Areal) . In ihm beginnt und endet die Glücksproduktion. Das Amygdala, auch Mandelkern genannt, ist Bestandteil des limbischen Systems – alle eingehenden Signale werden dort emotional bewertet. Der Nucleus accumbens ist Bestandteil des Belohnungssystems im Gehirn. Dort finden alle emotionalen Lernprozesse statt und der Grad der Motivation wird hier maßgeblich bewertet. Im orbitalen Cortex werden die emotionalen und motivationsbezogenen Signale bewertet. Im anterior cingulären Cortex finden Prozesse statt im Hinblick auf Entscheidungen, Sozialverhalten und Lernprozesse. Der Hypothalamus wandelt Botenstoffe, Neurotransmitter in Neurohormone um und regelt die Ausschüttung über die Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Die Hypophyse liegt außerhalb unseres Gehirns und hat direkten Zugang zu unserem Blutkreislaufsystem. Über den Blutkreislauf können die Neurohormone zu den zuständigen Organen transportiert werden.

Glück im Gehirn

Es sind also mindestens diese sieben Areale, die eng miteinander verbunden sind und in einem sehr komplexen Wechselspiel untereinander für die Erzeugung des schönsten Gefühls der Welt, nämlich das Glück, zuständig sind.

Ende der 50er Jahre fand James Olds, Psychologe an der Universität von Michigan, heraus, dass Ratten die Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mögen. Die Ratten konnten diese Gehirnregion selbst per Knopfdruck stimulieren und drückten den Knopf immer wieder und zwar so lange, bis sie vor Hunger, Durst und Erschöpfung beinahe gestorben wären. Für sie zählte nur noch der „Glückskick“.  Damit hatte Olds das Lustzentrum im Gehirn entdeckt, eine Ansammlung von Neuronen im Mittelhirn: sie werden aktiv, wenn etwas besser ist als erwartet. Dann stoßen sie den Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn weiter in den Nucleus accumbens im unteren Vorderhirn sowie direkt ins Frontalhirn. Im Nucleus accumbens angekommen, produzieren die dortigen Neuronen opiumähnliche Stoffe: wir fühlen uns glücklich. Das Dopamin im Frontalhirn bewirkt, dass dieses besser funktioniert. Bei einer Überdosis an Glück würde es uns ähnlich wie den Ratten ergehen und wir würden sterben und deshalb ist es wichtig, dass das Glück auch wieder abflaut. Der Hirnforscher Manfred Spitzer sagte einmal, dass das Gehirn für ständiges Glück nicht gemacht sei, aber süchtig danach, nach Glück zu streben.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Neurowissenschaft besteht darin, dass sich das Gehirn fortwährend verändert. Es kann wie ein Muskel trainiert werden und infolgedessen auch das Glücksgefühl. Die Frage, ob man dauerhaft glücklich sein kann, muß man mit Nein beantworten. Neben dem Gehirntraining spielt allerdings auch die genetische Disposition eine Rolle, inwieweit wir glückliche Menschen sind. Wie die Erfahrung zeigt, streben die Menschen stetig danach, das Glücksgefühl zu produzieren, indem jeder ganz individuell einer Tätigkeit nachgeht bzw. sich Erlebnissen zuwendet, die ihm dies garantieren.