Urbanisierung – Immer mehr Menschen leben weltweit in Städten. Genau gesagt, sind es bereits jetzt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Vor allem in Schwellenländern wachsen die wenigen Städte zu Mega-Cities heran. Die Menschen sehen auf dem Land keine Perspektive oder Überlebensmöglichkeit mehr. In den Städten suchen immer mehr Menschen ihr Heil – sei es um der besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten, sei es um anderer Ziele willen.

Der Megatrend der Urbanisierung schreitet fort – aber die Urbanisierung nimmt in jedem Land eigene Ausprägungen an. Die Unterschiede können aufgrund von klimatischen, infrastrukturellen oder volkswirtschaftlichen Bedingungen gegeben sein. So oder so bedeutet der beständige Zuzug vom Land in die Großstädte für die Stadtplaner ein Umdenken. Denn die rasant wachsenden Städte müssen zukünftig nicht nur mehr Menschen aufnehmen, sondern auch attraktiver werden. Die Lebensqualität der Stadtbewohner muss steigen.

Zugleich entstehen zahlreiche Problemfelder, die eine Betrachtung erfordern. Mehr Arbeitsplätze müssen her. Mehr Wohnungen werden benötigt. Die medizinische Versorgung muss standhalten können. Das Binnenklima in den Städten darf nicht dadurch kippen, dass noch mehr diesel- oder benzinbetriebene Autos auf die Straßen kommen. Grünflächen und Naherholungsgebiete müssen erhalten oder ausgebaut werden. Die Stadtviertel wachsender Städte müssen autonomer werden. Sie bilden kleine Universen in einer rasant wachsenden Agglomeration.

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Mega-Cities: Urbanisierung, die Herausforderung der Zukunft

Die Vernetzung und Begrünung von boomenden Großstädten stellt eine Herausforderung dar. Die Städte wachsen in rasantem Tempo. Das beackerbare Land und die Überlebensfähigkeit der konventionellen Landwirtschaft schrumpfen. Auf den ehemaligen Ackerflächen siedeln sich vermutlich Industriegebiete an. Mit den boomenden Mega-Cities von heute verbinden sich wachsende Müllhalden, Verkehrsinfarkte und Smog sowie das Anwachsen von Armutsvierteln. Diese Probleme gilt es möglichst schnell zu lösen. Die heute existierenden Boomtowns sind kein zukunftsfähiges Modell.

Doch der Blick muss auch auf den Umstand gelenkt werden, dass moderne Städte wie Hongkong, Dubai oder Singapur wirtschaftlich boomen. Sie sind immer am Puls der Zeit geblieben und haben die Urbanisierungstrends zum Teil bereits verwirklicht. Das zieht immer mehr Menschen an, da solche Städte als Boomtowns ein großes Wirtschaftspotenzial verkörpern. Neben neuen Mega-Cities, die förmlich aus dem Boden gestampft werden, müssen sich ältere Städte mit langer Tradition durch eigene Qualitäten zu behaupten wissen. Viele Städte werden der Urbanisierung hinterherhinken und abgehängt. Sie werden als Wohnort unattraktiv, wenn sie sich nicht neu erfinden.

Rasantes Bevölkerungswachstum und seine Folgen

Wie schnell eine Stadt Zuwachs bekommt, wird durch verschiedene Parameter bestimmt. Das Bevölkerungswachstum wird durch Zuwanderer und die Geburtenrate ebenso definiert wie durch Abwanderung und Sterberaten. Da die Weltbevölkerung weiter wächst und immer mehr internationale Krisengebiete Menschen zur Flucht zwingen, müssen viele Städte mit massivem Zuzug rechnen. Das erfordert bauliche Nachbesserungen im großen Stil. Der rasante Bevölkerungszuwachs wiederum erzwingt zahlreiche verkehrstechnische Maßnahmen, eine andere Logistik bei der Lebensmittel- oder Wasserversorgung oder bei den Bildungs- und Einkaufsmöglichkeiten. Auch Arbeitsplätze müssen geschaffen werden. Da durch den Bauboom immer mehr Grünflächen im Stadtgebiet und in den Randlagen verschwinden, müssen andere Lösungen gefunden werden, die einen Ausgleich schaffen.

Grünflächen für Anbau und Erholung müssen zukünftig in die Vertikale gebaut werden. Entsprechende Modelle für die Städte der Zukunft wurden bereits vorgestellt. Hochhausdächer können zu Parks umgestaltet werden, wie es bereits in einigen Metropolen der Fall ist. Mit Urban Farming können Megastädte bei der Lebensmittelversorgung nachhaltiger werden. Städtische Brachflächen werden für den Anbau von Gemüse und Obst genutzt. Das verbessert zugleich das Klima im Umfeld. Die Bürger können durch Urban Gardening ihre Lebensmittelversorgung mit selbst angebautem Frischgut verbessern, sich aber auch in städtischen Balkon- oder Hinterhofgärten erholen. Boston machte vor, wo zukünftige Prioritäten liegen: Die Stadt verlegte eine Stadtautobahn teilweise unter die Erde, um einen großen Grüngurtel anzulegen.

Die Anfänge des Collaborative Livings sind bereits durch privat genutzte Airbnb- oder Couchsurfing-Angebote zu erkennen. Viele Menschen möchten die Welt durch privates Wohnen von einer anderen Seite kennenlernen. Digitale Nomaden sind vielleicht die Arbeitnehmer der Zukunft. Der feste Arbeitsplatz für ein ganzes Leben ist Schnee von gestern. Roboter und Computer übernehmen zukünftig viele Arbeiten. Die Bedeutung von „Third Places“ wird steigen. Man erledigt gewisse Dinge auf dem Weg von Zuhause zur Arbeit. Die Gesellschaft wird mobiler – und die moderne Technologie erlaubt es, von jedem Platz aus Zugriff auf alles zu erhalten, was für das Leben wichtig ist. Per Smartphone können Bestellungen aufgegeben, Rollos geschlossen, Daten bearbeitet und weitergegeben oder eine Pizza ins Büro geordert werden. Bezahlt wird ebenfalls digital.

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Die städtische Wirtschaft boomt

Urban Manufacturing ist das Zauberwort, das eine Wertsteigerung für neue Geschäftsmodelle in Städten beschreibt. Um der Anonymität einer Mega-City zu entkommen, wird das Bedürfnis nach mehr Individualität auch auf der wirtschaftlichen Ebene ausgelebt. Urbane Stadtviertel erhalten einen eigenen Charakter durch Märkte, kleine Lädchen und individuelle handwerkliche Angebote. Die Lebensqualität erhöht sich dadurch. Die Identifikation mit dem Viertel, in dem man lebt, ebenfalls. Die Menschen nehmen sich als Bewohner ihrer Stadtviertel wahr, nicht so sehr als Bewohner einer Riesen-Agglomeration.

Verstärktes Recycling von noch verwertbaren Materialien dient in Zukunft zunehmend der innerstädtischen Wertschöpfung. Urban Mining heißt der Trend, der Rohstoffe erneut nutzbar macht. Aus Hausmüll, Elektrogeräten oder Abwasser müssen nutzbare Produkte entstehen. Ressourcenverschwendung können Megastädte sich nicht leisten. Neben Mega-Cities, die schier unglaubliche Menschenmengen beherbergen, wird es Global Citys geben. Gemeint sind damit wirtschaftliche oder politische Metropolen, die als Lenker und Gestalter des Umlands zum Knotenpunkt aller Aktivitäten werden.

In Mobilitätsfragen sind die Städte ebenfalls zum Umlenken aufgefordert. Um der Luftverbesserung willen müssen E-Autos und Fahrräder Vorrang vor anderen Verkehrsmitteln erhalten. Die E-Mobilität tritt zunehmend dem drohenden oder bereits bestehenden Smogproblem entgegen. Erneuerbare Energien liefern Strom. Sie machen große Städte unabhängiger von fossilen Brennstoffen. Die Digitalisierung von Fahrzeugen ist ein weiterer Zukunftstrend.

Während einige Städte boomen und damit weitere Menschen anziehen, werden andere Städte den Zukunftstrends zunehmend hinterherhinken. Wenn die jungen Menschen wegziehen, bleibt eine überalterte Stadt mit überkommenen wirtschaftlichen Anlagen und maroder Infrastruktur zurück. Hier sieht das Jungvolk keine Perspektive mehr für sich. Daher ist es bereits jetzt notwendig, sich konzeptuell den zukünftigen Anforderungen zu stellen. Das Konzept der Smart City will mit technologischen Insellösungen die anstehenden Probleme erkennen, steuern, überwachen und in den Griff bekommen. Vieles, was heute als utopisches Lösungsmodell gehandelt wird, wird morgen normal sein.

Als Beispiel für eine Stadt die am Reisbrett geplant wird und den Trend der Urbanisierung aufgreift haben wir uns „Lusail City“ in Qatar ausgesucht. Die Stadt wird derzeit am West Bay Complex Canal auf eine fast unbewohnten Fläche im Nordosten Dohas errichtet. In Lusail City sollen einmal 200.000 Menschen leben mit perfekter Infrastruktur.