Kann der neue Präsident, Emmanuel Macron, Frankreich in die Zukunft führen?

Seit Jahren gibt es im heutigen Frankreich einen Reformstau, das Mißtrauen gegen die Eliten hat sich im Laufe der Jahre eklatant verstärkt. Durch diverse strukturelle Probleme ist die wirtschaftliche Schwäche stetig angewachsen. Frankreich hat eine Rekordarbeitslosenquote von 10%! Hinzu kommen in der Ausländerpolitik mannigfaltige Schwierigkeiten durch die Zuwanderer aus den Magrebstaaten. Einer französisch-deutschen Zusammenarbeit (Lokomotive) unter Angela Merkel und François Hollande wird kein Vertrauen mehr geschenkt.
Der kometenhafte Aufstieg von Emmanuel Macron, einem Mann, der aus der Wirtschaft kommt, über keine politische Erfahrung verfügt und sich dennoch speziell in der Außenpolitik bereits gut profilieren und positionieren konnte, läßt auf einen Wandel in Frankreich hoffen!
Er vertritt wirtschaftsfreundliche Ansätze, steht für eine pro-europäische Politik.
Noch vor einem Jahr war an eine Präsidentschaftskandidatur nicht zu denken. Nun ist er der jüngste Präsident in der Geschichte Frankreichs.

Wer ist Emmanuel Macron?

Herkunft – Kindheit und Jugend – Ausbildung

Am 21. Dezember 1977 wurde Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron als Sohn eines Arztehepaares im Norden Frankreichs, in Amiens, geboren. Sein Vater, Jean-Michel Macron war Professor für Neurologie, seine Mutter Francoise Macron-Noguès Kinderärztin. Zwei jüngere Geschwister, Laurent (geb. 1979) und Estelle (geb. 1982), die später ebenfalls Ärzte geworden sind, vervollständigten die Familie.
Mit 12 Jahren trat Emmanuel in die Jesuitenschule La Providence ein, wo er sich auf eigenen Wunsch katholisch taufen ließ.
Schon früh zeigten sich seine vielfältigen überragenden Begabungen, sowohl im intellektuellen als auch im künstlerischen Bereich. Am Pariser Elitegymnasium Lycée Henri IV. bestand er das Baccalauréat (frz. Abitur, auch Bac genannt). Da er die Aufnahmeprüfung an der Elitehochschule zunächst nicht bestand, studierte er Philosophie an der Universität Nanterre sowie Politikwissenschaften am Sciences-Po. Von 1999-2001 war er in Nanterre Assistent des Philosophen Paul Ricoeur. Nach seinen Abschlüssen (Magister und Diplomarbeit) über Machiavelli und Hegel setzte er seine Studien an der renommierten Verwaltungshochschule École nationale d’administration (ENA) in Straßburg fort.

Finanzinspektor/Investmentbanker

Nach seinem Abschluss arbeitete er ab 2005 als Finanzinspektor in leitender Position im Finanzministerium. Nur drei Jahre später erhielt er mit 31 Jahren eine Position als Investmentbanker bei der Pariser Investmentbank Rothschild & Cie., wo er bereits zwei Jahre später Partner wurde (associé-gérant) und im Jahre 2012 den spektakulären Kauf des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé durch den US-Pharmakonzern Pfizer begleitete.

Emmanuel Macron Präsident Frankreich TheMan

Politische Laufbahn

Präsidialamtstätigkeit / Wirtschaftsminister

Als Hollande 2012 zum Präsidenten gewählt worden war, beendete Macron seine Tätigkeit bei Rothschild, wechselte in den Präsidialstab und wurde Hollandes  Berater für Wirtschafts- und Finanzpolitik. Von Mai 2012 – Juni 2014 war er zudem stellvertretender Generalsekretär im Präsidialamt. Am 26. August 2014 wurde er Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales. Zu dieser Zeit versuchte er durch die sog. „Loi Macron“ zahlreiche Reformbestrebungen durchzusetzen. Es kam zu gravierenden Auseinandersetzungen und im Juli 2016 drohte Hollande ihm mit seiner Entlassung. Emmanuel Macron trat am 30. August 2016 von seinem Amt als Minister zurück.

Gründung von La Republique en Marche

Am 6. April 2016 gründete Emmanuel Macron im Vorfeld seiner Präsidentschaftskandidatur in seinem Geburtsort Amiens La Republique en Marche (Die Republik der Bewegung). Er will  damit die Spaltung von links und rechts überwinden. Alle Mitglieder dieser Bewegung können auch gleichzeitig Mitglieder in einer der anderen republikanischen Parteien sein. Der Verein nennt sich Association pour le renouvellement de la vie politique (Verein für die Erneuerung des politischen Lebens).
Die ideologische Ausrichtung seiner Partei nennt er Progressivismus. Darüberhinaus steht sie für Liberalismus, sozialliberale und europäisch-integrationistische Ideen, ist tendenziell eher links ausgerichtet.
Inhaltlich geht es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Arbeitswelt, die Förderung von Schülern in sozialen Brennpunkten, die Liberalisierung des Arbeitsrechts und die Kinder Senkung der Beiträge der Arbeitslosenversicherung.

Brigitte Macron – Première dame

Brigitte Marie-Claude Macron, geb. Trogneux, gesch. Auzière, ist seit dem 7. Mai 2017 die neue Première dame in Frankreich. Sie begleitete und unterstützte Macron im Wahlkampf und er selbst signalisierte von Anfang an deutlich, dass sie die Frau an seiner Seite ist und nicht nur das Anhängsel des Präsidenten. Das fand jetzt auch Ausdruck in der Tatsache, dass er seiner Frau einen offiziellen Status verlieh. Sie hat ein eigenes Büro, einen Kabinettschef, ein Budget und engagiert sich vor allem für Jugend- und Erziehungsfragen.
Ihre ungewöhnliche Liebesgeschichte, sie ist 24 Jahre älter als er, begann, als sie Lehrerin am Jesuitengymnasium in Amiens war und Macron dort zu ihren Schülern zählte. In der Theatergruppe, beim gemeinsamen Schreiben eines Theaterstücks, verliebten sie sich ineinander.  Brigitte war zu dieser Zeit noch verheiratet, hatte bereits drei Kinder und eine ihrer beiden Töchter, Laurence, ging in die gleiche Klasse wie Emmanuel und berichtete immer wieder von den „Überfliegerqualitäten“ ihres Klassenkameraden.
Um einen Skandal zu vermeiden, wechselte er mit 17 Jahren die Schule, gelobte aber, dass er sie eines Tages heiraten werde! In all den Jahren verloren sie sich nie aus den Augen und konnten am 20.10.2007, nachdem Brigitte 2006 von ihrem ersten Mann, dem Investmentbanker André Louis Auzière geschieden worden war, endlich heiraten.
Im Jahr 2015 beendete Brigitte Macron ihre Tätigkeit als Lehrerin, um sich ganz der politischen Laufbahn ihres Mannes zu widmen.
Einerseits brachte diese Beziehung zu seiner Frau Macron viel Kritik und Häme ein, u.a. den Vorwurf, er müsse homosexuell sein, wenn er mit einer so viel älteren Frau liiert ist.
Andererseits sehen dadurch manche in ihm auch den Garanten dafür, dass er unkonventionell sei, wagt neue Wege zu gehen, zu denen er dann auch steht!
Viele sagen mittlerweile auch, dass er ohne diese Frau den Weg zum Präsidenten nicht geschafft hätte und der Weg zu ihm nur über sie geht! Sie ist stets an seiner Seite, unterstützte ihn entscheidend im Wahlkampf und wußte sich auch selbst in der Öffentlichkeit zu positionieren.

Die Wahl zum Präsidenten

Europaflaggen TheMan Das Männermagazin

Nach einem aufregenden, spannenden und teilweise auch grausamen Wahlkampf ist seit dem 7.5.2017 Emmanuel Macron Präsident von Frankreich. In der Stichwahl gewann er mit Zweidrittelmehrheit über Marine Le Pen. Auch die Parlamentswahlen fielen eindeutig zu seinen Gunsten aus. Die geringe Wahlbeteiligung der Franzosen wirft allerdings einen Schatten über das spektakuläre Ergebnis, an das lange niemand geglaubt hatte.
Mit dieser Machtfülle geht einerseits eine große Verantwortung einher, andererseits verleiht sie Emmanuel Macron die Legitimation, seine Versprechen einzulösen. Mit seiner Wahl hat auch ein deutlicher Generationenwechsel stattgefunden, zudem sind in seinem Kabinett ungewöhnlich viele Frauen vertreten, deutliche Zeichen für einen Wandel.
Vor dem anstehenden EU-Gipfel äußerte er den Wunsch nach einer konstruktiven, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Deutschland verbunden mit der Hoffnung auf eine „europäische Renaissance“.