Was eint alle stilbewussten Männer zwischen 25 und 50 Jahren? Ganz sicher die Horrorvorstellung, dem Chef oder der Traumfrau schlechthin in einem unansehnlichen Jogginganzug zu begegnen. Solche modischen Fettnäpfe erlaubt sich kein Mann mit Stil. Modebewusste Männer sind drinnen wie draußen gleichermaßen stilbewusst gekleidet. Lässig darf die getragene Kleidung gerne sein. Aber nachlässig niemals.

Kleider machen Leute – oder etwa nicht?

Nicht jeder Mann hat etwas mit dem Thema „Mode für den jungen Gentleman“ am Hut. Um das festzustellen, braucht man kein Fachwissen. Sie müssen sich nur einmal in einer belebten Einkaufsstraße an den Rand der Menschenmenge stellen und den Blick auf vorbeigehende Schuhe, Hosen oder Jacken richten. Betreten Sie doch einmal ein Geldinstitut oder ein namhaftes Hotel. Stellen Sie fest, wer sich in seinem Anzug sichtlich unwohl fühlt und wer durch seine selbstbewusste, aber zugleich zurückhaltende Ausstrahlung die Karriereleiter hinaufklettern wird. Auch unsere Politiker sind ein interessantes Studienobjekt, was Mode angeht.

Gut angezogene Männer fallen sofort ins Auge. Sie tragen im Business keine zu langen Hosen, keine zu abgelaufenen Schuhe, keine knallbunte Krawatte und keine zu eng sitzende Anzugjacke. Im Geschäftsleben zeigt der stilbewusste Mann, dass er die vorgegebenen Dresscodes einhält. In der Freizeit erlaubt der Mann von Welt sich einen legeren Look, ohne jedoch auf erkennbare Qualitätsmerkmale zu verzichten. Die Jeanshosen sind ausgebleicht, aber nie ausgebeult. Die Sneaker wirken sportlich-dezent. Sie stammen von einer Qualitätsmarke. Das offen getragene (Polo-)Hemd ist blütenweiß oder hellblau. Der sportliche Blazer dazu bietet einen farblichen Kontrast. Der Haarschnitt darf modern sein, sollte aber auf Extravaganzen verzichten. Ein klassischer Look ist immer die richtige Wahl.

Auf die Schuhe kommt es an

Männer mit Stil wissen, dass hochwertige Schuhe das A und O des ansprechenden Outfits sind. Im Business wie in der Freizeit lässt ein Mann von Welt hier keine Kompromisse zu. Sandalen und Flip Flops gehören ebenso an den Strand oder Hotelpool wie Bermudahosen. Stylische Lederschuhe oder Marken-Sneaker aus Synthetik mit Lederapplikationen sind angemessen. Doch wann jemand was trägt, ist wichtig. Zur Jeanshose oder zur Chino passen braune, blaue oder graue Lederschuhe. Der Sneaker darf gerne sportlich ausfallen. Angesichts der zahllosen Sneakermodelle sollte ein Gentleman aber darauf achten, keinen ausgesprochenen Hallen- oder Laufschuhe zu tragen, wenn er keinen Sport macht. Sportlich-legerer Look lässt sich auch mit einem modischen Leder-Sneaker etablieren. Zum Tweedanzug oder zur Cordhose passen rustikale Schuhe, wie die die Briten tragen. Dabei ist aber keineswegs die Rede von Trekking- oder Wanderschuhen. Es geht um solide Lederschuhe, etwa Budapester, Chelsea Boots oder Schnürschuhe.

Auffallen um jeden Preis ist nicht angezeigt

Der Ledergürtel sollte farblich zu den Schuhen passen. In der Freizeit darf der Gürtel des stilbewusste Mannes ein etwas individuelleres Koppel aufweisen. Sonst sollte er schlicht ausfallen. In der Freizeit kleidet der Gentleman sich nämlich genauso zurückhaltend wie sonst auch. Er darf jedoch andere Kleidung tragen als im Berufsleben. Gemieden werden knallige Farben, bunte Krawatten, exzentrische oder ungepflegte Schuhe und poppige Jacketts. Diese darf man sich nur leisten, wenn es zum Stil passt – als Künstler oder Freigeist beispielsweise. Interessant ist nämlich, dass Qualität und ein bewusst gepflegter Stil aus wertig wirkenden Basics und passenden Accessoires immer ins Auge fällt. Die Wahl und Gepflegtheit der Schuhe sagt oft mehr über einen Mann aus als das restliche Outfit. Es nützt nichts, wenn der Businessanzug stimmig ist, wenn die Schuhe nicht dazu passen oder ungepflegt wirken. An Details bemerkt ein Vorgesetzter, wen er vor sich hat. Eine Frau mit Stil achtet noch viel mehr auf geschmackliche Feinheiten. Zum Abendanzug oder Smoking sollte der Mann die passenden Schnürschuhe anziehen, sonst begeht er einen unverzeihlichen Fehler.

Die Krawatte rundet das Outfit stimmig ab

Schmale Krawatten sind derzeit angesagt. Männer dürfen diese zum Businessanzug ebenso tragen wie zur Jeans mit Blazer – aber nur zu Letzterem darf der Mann von Welt sie weglassen. Einlass in einen Nobelklub in Marbella erhält nur, wer dem Krawattenzwang folgt oder einen Promi-Bonus erhält. Die dezenten Krawattenklassiker sind immer richtig. Der stilbewusste Mann trägt einfarbig silbrige, schwarze, dunkelblaue, graue oder auch weinrote Krawatten zum Dress. Im Business empfiehlt sich eine zurückhaltende Krawatte. Sie darf dezente Streifen oder feine Punkte aufweisen, sollte aber eine ruhige und seriöse Ausstrahlung haben. Groß gepunktetes oder bunt gestreiftes sowie Krawatten mit bunten Aufdrucken sind bei männlichen Stilikonen tabu.

Die Fliege gilt im Geschäftsleben als zu individuell. Sie ist daher unerwünscht. Fliegen gehören bestenfalls zum Abendanzug. In der Freizeit darf ein Individualist sie aber tragen, wenn ihm danach ist. Die Krawatte ist insofern ein wichtiges Accessoire, als sie für Männer im Anzug etwas Leben ins Spiel bringen kann. Im Business ist das aber nicht erwünscht. An strenge Dresscodes sollte ein Mann sich unbedingt halten. Außerdem sollte er vermeiden, irgendwo protzig zu wirken, zu individuell gekleidet zu sein oder den Chef an Stil zu übertrumpfen. Letzteres kann einen Übereifrigen die Karriere kosten.

Auf das richtige Outfit kommt es an

Zu festlichen Anlässen kann ein Mann genau so „overdressed“ sein, wie zu einem ganz gewöhnlichen Anlass. Ein Nobelhotel in ausgetretenen Sneakers und einem schlecht sitzenden Cordanzug zu betreten, darf sich nur ein Exzentriker leisten. Ob er damit am Portier vorbeikommt, ist aber die Frage. Einer wie Schauspieler Michael Caine würde es vielleicht schaffen. Für Otto Normalbürger gilt aber, dass Hotelgäste den Portier durch angemessene Kleidung für sich einnehmen sollten. In Badelatschen und Fransenbermuda hinterlassen Männer nirgendwo einen guten Eindruck.

Was angemessene Kleidung ist, kann der modebewusste Mann über eine individuelle Stilberatung oder das Recherchieren geltender Dresscodes ermitteln. Es schadet nichts, sich stilistisch geeignete Vorbilder zu suchen – aber was ein George Clooney auf der „Berlinale“ trägt, muss Ihrem Vorgesetzten noch lange nicht gefallen. Im Geschäftsleben sollten Sie besser nicht nachfragen, welches Outfit bei einem Bewerbungsgespräch gut ankommt. Wer sich vorher gut informiert, leistet sich keine Fehlgriffe. Es ist auf alle Fälle lohnenswert, seriös und zurückhaltend aufzutreten. Nur an fachlicher Kompetenz sollte nicht gespart werden. Bewirbt jemand sich als Grafiker oder Show-Moderator, darf er gerne ein individuelleres Outfit wählen. In einem Computerjob muss ein Mann sicher nicht im schwarzen Anzug erscheinen. Als Bestatter aber wohl. Ob im Job Freizeithemd und Pullunder oder ein Dreiteiler mit Weste angemessen sind, dürfte jeder nach Betreten eines Unternehmens wissen.

Vielfach ist die Kleidung egal, weil eine Uniform, ein Laborkittel oder ein Arbeitsanzug darüber getragen werden müssen. Deshalb sollte man sich trotzdem an stilistische Minimalregeln halten. Funktionsbekleidung gehört vorwiegend in den Freizeitbereich. In vielen Berufen haben sich allerdings funktionelle Outfits durchsetzen können. Doch auch ein Freiberufler kann sich nicht in jedem Berufsfeld leisten, sein Outfit nach Lust und Laune zu gestalten. Potenzielle Kunden haben diesbezüglich bestimmte Erwartungen an das Auftreten.

Ein Augenarzt mit einem Dreitagebart und ausgeleiertem Grobstrickpullover mindert den Eindruck von Seriosität und klinischer Sauberkeit. Vielleicht zu Unrecht. Aber die Standards der medizinischen Branche sind nun einmal andere. Unausgesprochene Bekleidungsstandards sind uns durchaus bewusst – allein, wenn es darauf ankommt, fragen wir uns, wie eng oder weit sie gefasst werden müssen. Plötzlich ist jeder unsicher, was die richtige Kleidung angeht. Männer von Welt schaffen es, Outfit-Standards, Dresscodes und persönlichen Stil stimmig unter einen Hut zu bringen. Das ist zwar nicht leicht – aber durchaus möglich. Das Internet ist eine reichhaltige Quelle der Inspiration für jeden Modemuffel. Ansonsten ist der Gang zu einem seriösen Herrenausstatter angesagt.