St. Petersburg – Russlands Venedig am Finnischen Meerbusen

Die 5-Millionen-Einwohner-Metropole St. Petersburg ist die zweitgrößte Stadt Russlands. St. Petersburg erstreckt sich an der sich hier zu einem Delta auffächernden Mündung der Newa in den Finnischen Meerbusen, der östlichsten Ostseebucht. Die finnische Grenze ist etwa 150 km entfernt. Mit einer Fläche von etwas mehr als 1400 qkm ist St. Petersburg fast doppelt so groß wie Berlin. Dem eigentümlichen Zauber dieser wegen seiner maritimen Schönheit, seiner vielen Kanäle, seiner 320 Brücken und seiner zahlreichen Prachtbauten im Altstadtbereich oft „Venedig des Nordens“ genannten Stadt kann sich kein Besucher entziehen.

Ort von geschichtsträchtiger Bedeutung

St. Petersburg hat nicht nur für die neuere Geschichte Russlands eine wichtige Rolle gespielt. Auch im weltgeschichtlichen Kontext waren manche Ereignisse und Entwicklungen, die hier ihren Ursprung hatten, von herausragender Bedeutung. Etliche St. Petersburger Sehenswürdigkeiten wie der nahe der Nikolojewy-Brücke als schwimmendes Museum ankernde Kreuzer AURORA, der 1917 den Startschuss für die Oktoberrevolution abgefeuert hatte, haben als historische Erinnerungsstätten enormen Stellenwert.

Als Gründer der Stadt an der Newa gilt der in vieler Hinsicht als Herrscherpersönlichkeit hervorstechende Zar Peter I. der Große. Das spätere Stadtgebiet war Anfang des 18. Jahrhunderts ein von Flussinseln und Sümpfen geprägtes Gebiet. Hier in einem machtpolitisch zwischen Schweden und Russland umstrittenen, kaum besiedelten Raum hatten 1703 russische Truppen die schwedische Befestigung Nyenschanz erobert. Peter I. ließ auf der Haseninsel vor der Newa-Mündung die Peter- und Paul-Festung anlegen, um die russische Dominanz in diesem Gebiet abzusichern. Peter I., der Russland nach absolutistisch-westeuropäischem Vorbild modernisieren wollte, wählte die als ständig eisfreier Seehafen taugliche Neueroberung aus, um hier seine neue Hauptstadt erbauen zu lassen. Die Moskau 1714 als Hauptstadt ablösende Neugründung wurde nach dem Heiligen Petrus benannt. Innerhalb weniger Jahre wurden die St. Petersburger Sümpfe unter barbarischen Arbeitsbedingungen trockengelegt, Granitfundamente gesetzt und Kanäle gezogen. Peter I. (seit 1721: Kaiser) zwang den Adel nach St. Petersburg überzusiedeln und hier prächtige Palais zu errichten. St. Petersburg, wo der Kaiser viele deutsche und niederländische Handwerker ansiedeln ließ, wurde zu Russlands Fenster nach Europa und entwickelte eine bis heute nachhaltende besondere kulturelle und wirtschaftliche Atmosphäre. Peters Nachfolger auf dem Thron haben die Stadt weiter ausgebaut. Als Kapitale des Russischen Kaisertums war St. Petersburg Hauptschauplatz von Aufständen und Revolutionen. Von hier aus nahm die Februarrevolution 1917 ihren Ausgang, die sich zur bolschewistischen Oktoberrevolution entwickelte. Unter Lenins Führung wurde von hier aus das Kaiserreich gestürzt und zur Weltrevolution aufgerufen. Die 1914 in „Petrograd“ umbenannte Stadt erhielt 1924 zu Ehren des im selben Jahr verstorbenen Partei- und Staatsführers Lenin „Leningrad“ als neuen Namen. 1918 hatte die Stadt ihre Hauptstadtfunktion an Moskau zurückgeben müssen. Im Zweiten Weltkrieg trotzte das eingeschlossene Leningrad unter großen Opfern den Versuchen deutscher Truppen, die Stadt zu erobern. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erhielt Russlands Fenster nach Europa 1991 wieder seinen ursprünglichen Namen.

Beeindruckende Architekturschönheiten

Das Stadtbild der von vielen Einheimischen liebevoll „Piter“ genannten Ostseemetropole ist in ihrem Kernbereich mit über 2000 denkmalgeschützten Gebäuden zum großen Teil durch wegen ihrer dekorativen Zurückhaltung besonders eindrucksvollen Architekturleistungen des Klassizismus bestimmt. Die als Ensemble in dieser Größe wohl einzigartige Massierung klassizistischer und neoklassizistischer Bauten ist bestimmend für das Flair der Stadt. Beim Flanieren durch Straßen wie dem berühmten Newski-Prospekt oder bei einer Bootsfahrt durch die von sich im Wasser spiegelnder Klassizismus-Eleganz gesäumten Kanäle entsteht rasch das Gefühl, in die untergangene Welt von Puschkin und Tolstoi eingetaucht zu sein. Dieses Gefühl wird in den als „Weiße Nächte von St. Petersburg“ oft beschriebenen Sommernächten, in denen es nie so richtig dunkel wird, geradezu magisch.

Zu den wichtigsten der St. Petersburger Sakralbauten, kaiserlichen Schlösser und hochadligen Palais zählen das 1754 vollendete Stroganow-Palais an der den Newa-Nebenfluss Moika querenden Grünen Brücke oder der imponierende 1835 als Kloster eingesegnete Bau des Smolny-Instituts, in dem heute St. Petersburgs Stadtobere ihren Amtssitz haben.

Stadt der Kultur

St. Petersburg ist ein Zentrum der russischen Kulturwelt. Dutzende Theater, bedeutende Bibliotheken und etwa 250 Museen laden ein, sich zu informieren und sich inspirieren zu lassen. Weltberühmtheit genießt die Eremitage. Der riesige Komplex am Ufer der Newa besteht aus fünf Großgebäuden, zu denen auch die für die Geschichte der Oktoberrevolution großen Symbolwert einnehmende ehemalige Winter-Residenz des letzten Kaisers gehört: Der Winterpalast. Auf einer gigantischen Ausstellungsfläche von fast sechs Hektar präsentiert die Eremitage als eines der welt-wichtigsten Kunstmuseen insbesondere Meisterwerke der Zeit vor der Revolution.